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©arsten Lübbert
Autobiografisches

von
Jan-Daniel Carpentier



Kategorien
Besinnliches


entschuldigen, das ich sie nicht wiedererkannte • Die Entschuldigung nahm sie an und vielleicht, ganz bestimmt sogar, bemerkte sie meine Verwirrung und. ein wenig peinlich war es mir schon, aber ich erkannte sie einfach nicht auf Anhieb, was ist schon dabei. Als ich es dann wusste, blieb mir nichts anderes übrig, als ihr in meiner derzeitigen Verwirrung, einen recht angenehmen Tag zu wünschen, was sie freundlicher weise erwiderte und es mir nicht sonderlich übelnahm, denn wüsste sie am meinen derzeitigen Gefühls und Gemütszustand, ich bin mir sicher, das sie mich verstanden hätte und wer mir meine derzeitige, ins Gesicht geschriebene Verwirrung nichts ansieht, der ist selber schuld. Abgesehen davon, halte ich sie nicht für so oberflächlich, als das sie es mir nicht gleich auf Anhieb anmerkte, das mit mir etwas nicht ganz in Ordnung sei, im Vergleich zu den beiden anderen Begegnungen, bei denen ich nicht ganz so verwirrt und völlig durch den Wind war, wie ich es jetzt schon seit mehreren Tagen bin
Siebzehntes Kapitel Wieder zurück zu ihr, zu wem sonst? Ich nannte sie so, wie sie vor mir noch niemand genannt hatte, nämlich meine Mäuseschwänzchen, worüber sie ein wenig schmunzeln mußte, aber es gefiel ihr anscheinend und ging ihr nicht gegen den Strich, das ich sie so nannte, schimpfte, betitelte, ganz im Gegenteil sogar, sie war höchst erfreut darüber, oder stimmt es nicht? Nein, sie wird mich schon nicht aus den Augen lassen, in den Gewimmel von Menschen, in dem man sich doch, ehe man sich umgesehen hat, doch verlieren kann und dann bin ich wirklich schlecht dran, denn außer ihr, kenne ich ja keine Menschenseele und meine ganzen Sachen befinden sich dann bei ihr und ich müsste wahrscheinlich, bis zum Ende der Veranstaltung warten und darauf hoffen, das sie mich irgendwann doch abholt und sich an mich entsinnt, das da doch noch jemand war, mit dem sie gemeinsam zu diesem Festival gefahren ist. Doch da sie mich nicht aus den Augen lassen will, um mich eben nicht zu verlieren, kann ich wohl diesbezüglich beruhigt sein und auch ich werde sie nicht aus den Augen lassen und mir mit ihr gemeinsam Bands anhören, die meinem Musikgeschmack nicht ganz entsprechen, wie auch sie an meiner Seite bleiben möchte, um sich beispielsweise Type Negative anzuhören, die nun wiederum ihrem Musikgeschmack nicht ganz so entsprechen und wie schön sie das gesagt hat, sie werde schon beständig an meiner Seite bleiben, das wir uns eben nicht verlieren, um später gemeinsam, den Weg ins Zelt zurück zu finden. Oh wie schön, das sie meinen zweiten Brief leichter, besser, einfacher verstand, als den
ersten den ich ihr schrieb, was in meinen Augen kein schlechtes Zeichen ist, das sie mich jetzt versteht und ich kann es mir hoffen, dementsprechend ihre Antwort ausfällt, und ich durchaus positiv und nicht das Gegenteil von dem. Warum sie sich gestern nicht gemeldet hat, das wollte sie mir nicht sagen, nur das eben irgend etwas dazwischen gekommen sei und sie für jemanden da sein musste, oder was auch immer, sie verriet und wollte es mir nicht verraten und ich fragte auch gar nicht danach, damit sie ja nicht denkt, ich mache mir Sorgen, oder sei gegebenenfalls sogar, bereits jetzt schon, ein wenig eifersüchtig, na und ich bin es, wen kümmert das schon. Sie verstand mich also und meine Befürchtungen, Ängste von ihr zerbrochen zu werden und ich bete, richte mein Gebet gen Himmel, das sie nicht vorhat, mich zu zerbrechen, wenigstens nicht vollständig. Alle meinen Gedanken drehen sich nur noch um sie und ich kann nichts dagegen tun, bin ihr machtlos ausgeliefert, auf Gedeih und Verderb! Hübsch sei sie schon, meinte der gute Freund, jedoch keineswegs zu hübsch für meine Wenigkeit, so wenigstens urteilte er, was nichts weiter zu bedeuten hat, denn schließlich entscheidet sie darüber, nachdem wir etwas mehr als eine Woche miteinander verbracht haben, oder lässt sie mich ziehen, ohne mich wissen zu. lassen, ob wir uns jemals wiedersehen werden? Ihre Entscheidung wird sie schon frühzeitig genug treffen und sie ist sich jetzt, allem Anschein nach bewusst, wessen Leben hier auf dem Spiel steht und das es jetzt längst kein Spiel mehr ist, was hier gespielt wird. Ihr Brief, sobald er mich erreicht hat, wird mir die gehörige Klarheit bringen und mich womöglich dazu bewegen, sie doch nicht wiederzusehen, es sei denn, sie wünscht es sich ausdrücklich, das wir uns unbedingt sehen müssen, ganz gleich, was geschieht. Ich hab sie so lieb, obwohl wir uns so viele Jahre nicht gesehen haben und in ihrer Stimme, lag gestern etwas leicht merkwürdiges, wenn ich nur wüte was und mich zu der Vermutung nötigte, das hier irgend etwas nicht stimmt, entweder mit ihr, oder dem Umstand in dem sie sich befand und mich aufgrund dessen nicht noch einmal anrief. Mein Standpunkt dürfte ihr längst klar sein und jetzt vielleicht, ganz bestimmt sogar, ist es ihr noch ein wenig mehr bewusst geworden und entweder wird sie demzufolge jetzt ein wenig vorsichtiger, oder geht ab sofort noch ein wenig energischer vor. Nein, nein, nein, was sie angerichtet hat, das ist vor ihr noch keiner Menschenseele gelungen und daran hat sie im Traum nicht gedacht, das es soweit kommen würde, wie es eben jetzt komischerweise gekommen ist und
es bleibt jetzt nunmehr abzuwarten, ob sie weiterhin so energisch bei der Sache bleibt und ich kann nur, voller Sehnsucht und Ungeduld auf ihren, hoffentlich bald. eintreffenden Brief warten, der, ach ich Ahne es bereits, alle Träume auslöscht und wie ein Windzug wegweht, ein für allemal.
Achtzehntes Kapitel Erneute Begegnung mit der kleinen Kollegin. Wenige Schritte lief sie Vor mir, die kleine Journalistin, der ich heute, zum wer weiß wievielten Male begegnet bin und sehr zu meiner Überraschung, setzte sie sich ganz unvermittelt neben mich und redete etwas später sogar mit mir, wie schlecht die Welt doch ist und wo das noch alles hinführen soll, wie es in zwanzig Jahren ausschauen wird. Welch schöne, völlig unerwartete Überraschung, dass wir einer Meinung waren und alles hätte ich erwartet, nur eben dies nicht. So, so, als Volontärin arbeitet sie also und ist noch gar keine freiberufliche Journalistin, wie ich vermutete. Zum Lachen ist mir noch immer nicht sonderlich zumute, aber schön, das sie sich wenigstens amüsieren konnte, als ich ihr sagte, das ich dabei sei mir das Rauchen abzugewöhnen und es muss also so geklungen haben, als würde es nicht von langer Dauer sein— doch diesmal wird es das sein. Somit widerstand ich der mir angebotenen Zigarette und nahm lieber eine kleine Prise Schnupftabak, als sie herumgeführt worden ist und stellte mich dann ein paar Minuten, in Gedanken versunken ans Wasser, starrte hinein und wen wünschte ich mir in diesem Augenblick zu mir? Was sie nicht alles wissen wollte, woher ich ursprünglich stamme, wie und ob ich von dem, was ich als frei berufliche Redaktionskraft verdiene, leben kenne und aus ihren Worten vernahm ich, das sie nichts gegen Arbeitslose hatte, verschwieg es ihr aber dennoch, oder besser log, denn ich sagte ihr, das es geradeso ausreiche und meine Ansprüche sehr geringer Natur seien immer mal wieder schaute sie mir in die Augen und umgekehrt, was sich auf die Entfernung, ja auch gar nicht vermeiden ließ, kaum eine Armlänge trennte uns voneinander und erst waren wir beide ziemlich schweigsam, was man anscheinend. von Journalisten nun gar nicht gewohnt ist und es dauerte nicht lange und die Barriere war überwunden, denn wir hatten uns komischerweise etwas zu sagen, teilten eine Meinung, was mich dann doch sehr erstaunte. Über mögliche, oder unmögliche Gesellschaftsformen sprachen wir, über eine Revolution, die sicher solange nicht mehr auf sich warten lässt und die mögliche Barbarei, die daraufhin vielleicht folgt und in spätestens zwanzig Jahren, dürfte es wohl soweit sein meinte sie.
ihre schwarzseherischen Zukunftsaussichten gefielen mir, ja, imponierten mir fast und nun wunderte er sich, das wir uns so angeregt unterhielten, über die Radtour, die wir gemeinsam mitgemacht haben, mitmachen mussten und so weiter und so weiter. Ansonsten sprach ich sonst kein Wort, sondern hörte den Verantwortlichen zu, die sich dann mal nach einer halben Stunde eingefunden haben, machte mir meine Notizen und. unterließ es, irgendwelche Fragen zu stellen, Was ich sehr entzückend von ihr fand, das sie mich ihre Presseinformation lesen ließ und ich mir ein paar Stichpunkte machen durfte und alles in allem, war und fand. ich sie ziemlich charmant, ganz natürlich und mit melancholischen Aussichten auf die Zukunft. Weiter verwirrt hat mich ein anderes Frauenzimmer, die gemeinsam mit den Fraktionsabgeordneten eintrudelte und mich permanent, na ja, nicht permanent, aber doch sehr häufig anstarrte und sogar ein Foto von mir machte, von allen aber, die in der Gesprächsrunde saßen und da ich da so meine Eigenart habe und ich es nicht rechtzeitig mitbekam, ist es ihr wahrscheinlich auch gelungen mich abzulichten. Etwas später war sie wieder damit beschäftigt Fotos zu machen, die ihr sicher auch gelungen sind, nur bin ich auf keinem der Bilder zu sehen, da ich immer bemüht war mich aus ihrem Sichtfeld zu entfernen. Ebenfalls nicht unattraktiv, das kann ich wohl so sagen, aber da ich im Moment, den Kopf mehr als voll habe, sie können sich nicht vorstellen, wie viel Mühe ich mir geben musste, mich ein wenig zu. konzentrieren und einen halbwegs vernünftigen Artikel daraus zu basteln und wenn man nur eines im Kopf hat, wie schwer fällt es da sich halbwegs zu konzentrieren. Noch immer bin ich so geistesabwesend, wie ich es seit dem ersten Tag war, als sie sich bei mir meldete und in mein Leben trat und sicher bald wieder verschwinden wird, genauso schnell, wie sie angeschneit kam. Keine Auskunft über ihr Befinden, keine Antwort, ob es ihr besser gehe wie mir. Und was kümmerte es mich, ob mein Artikel zum Sozialforum zur Zufriedenheit war, was man. mich so ganz nebenbei wissen ließ, dass der Artikel ganz gut gelungen sei und das Sozialforum ziemlich gut ankam. Sie denkt gar nicht daran sich bei mir zu melden. Doch macht sie, aber wann hat sie mir nicht geschrieben und gestern ging es wirklich nicht, denn erstens ist sie später heimgekommen und ihr Junge ist auch noch krank geworden und und und, doch sie versprach mich anzuru.fen.
Neunzehntes Kapitel Zur Blutentnahme überredet. Meiner Dermatologin ist es doch nun tatsächlich gelungen, mich davon zu überzeugen, das
eine Blutentnahme eventuell Aufschluss geben könne, ob etwas mit meiner Schilddrüse nicht in Ordnung sei, oder was man eben noch anhand des Blutes so alles feststellen kann. Allerdings konnte sie mich nur davon überzeugen, wenn mir die Salbe ausgehändigt wird, die eine Stunde vorher aufzutragen ist und die Oberfläche betäubt und ich bestand darauf, das sie mir das Blut abnimmt und nicht irgendeine von den dort beschäftigten Schwestern. Schon bei dem Gedanken daran, bekam ich schweißnasse Hände, als stünde die Blutentnahme bereits heute an, so sehr fürchte, ängstige ich mich davor und kann gar nicht beschreiben, wie mir vor diesem Tag graut. Aber ich will ja diesbezüglich selber Gewissheit, also muss ich dies wohl oder Übel, über mich ergehen lassen und die ganze Paste ordentlich dick auftragen, ein Pflaster darüber, das ich von dem Einstich ja nichts, oder nur wenig verspüre. Und ich kann doch nun auch nichts dafür, das ich mich so dermaßen, krankhaft vor einer Injektion fürchte, für die ich mich wohl auch nicht schämen muss. Sie kam zu der Feststellung, das es bei mir ziemlich hartnäckig sei und man müsse eben jetzt das Ergebnis der Blutuntersuchung abwarten und entweder muss ich mich in einer Hautklinik in der Siebentürme Stadt vorstellen, oder mich gegebenenfalls damit abfinden. Bis dahin gab sie mir aber erneut eine Salbe mit und vielleicht hilft diese ja besser. Die wahre Ursache herauszufinden, das jedenfalls dürfte schwierig werden und sie vermutet eigentlich auch nicht, das irgend etwas mit meiner Schilddrüse nicht in Ordnung ist. Wenn es nur an den Beinen wäre, wie wenig würde es mich da stören, aber gerade auf dem Schädel, das ist wirklich eine Sache für sich.
Zwanzigstes Kapitel Journalistische Freiheit. Die hätte ich und soll ich mir auch herausnehmen und möglichst nah genug an die Leute, die es zu fotografieren gilt herantreten und wäre ich an diesem besagten Abend, nicht so dermaßen verwirrt gewesen, ich wäre aufgestanden und es wäre mir dann sicher auch gelungen, ein brauchbares Foto zu machen, da sie mir jedoch gänzlich alle Sinne verwirrt hat, war an ein Bemühen überhaupt nicht zu denken, da ich an nichts anderes dachte, als an ihre Stimme und ihren Anruf. Und wenn mein Redakteur wüsste, weshalb es mit dem obligatorischen Foto nicht geklappt hat, er würde wohl ein Einsehen gehabt, gezeigt haben, aber nun bin ich schon wieder ein klein wenig gefasster ‚ jedoch nicht weniger ‚ verschroben. Gut ‚ ich darf also morgen zu der schaurigen Lesung und da ich von der Presse bin, habe ich einige Freiheiten, die ich mir herausnehmen kann und die
Leute wissen das schließlich auch und wollen ja fotografiert werden und es liegt ja auch an meiner Menschenscheu, das ich lieber ein wenig Abstand wahre und mich lieber ein wenig im Hintergrund halte, was hier natürlich eher von Nachteil ist. So das ich mich, je nachdem, wie das heutige Telefonat mit ihr verläuft, falls sie überhaupt anruft, mich morgen, wenn es verlangt wird, ein wenig mehr um ein vernünftiges Foto bemühen. Das heißt. also auch, das ich vorerst nicht mit einem Brief von ihr rechnen kann, jetzt wo ihr Junge krank ist, oder findet sie am Abend vielleicht doch ein wenig Ruhe mir zu. schreiben? Es ist nicht sicher, ob sie wirklich anruft und wenn, dann wohl erst ein wenig später am Abend, wenn sie ihn ins Bett gebracht hat und bin schon sehr gespannt, auf die Neuigkeiten, die sie mir möglicherweise unterbreitet. Denn so langsam müsste man sich wirklich einmal darüber Gedanken machen, wie es sich mit den Eintrittskarten verhält, oder steht es für sie bereits nun endgültig fest, das ich sie besuche und wir zu diesem Festival gehen? Das junge Fräulein übrigens behielt vollkommen recht, denn nur einen Tag schaffte ich es mit dem Rauchen vollständig aufzuhören, na ja, vielleicht klappt es beim dritten Anlauf, wenn dieses Päckchen Tabak verraucht worden ist. Entsetzlich ist das, wenn man so sehnsüchtig auf einen Anruf wartet, wobei die Minuten vergehen, wie als wären es Stunden und es ist gerade einmal sieben Uhr am frühen Abend, das heißt noch eine halbe Ewigkeit, bis sie vielleicht anruft. Na, und endlich bekomme ich gleich am Anfang der Woche, die erforderlichen Informationen und Fotos, der türkischen Folklore Tanzgruppe überreicht, das Drama hierbei ist jetzt nur, das sie wahrscheinlich nur einen einzigen Auftritt haben werden, aber immerhin besser, wie gar kein Auftritt. Und somit wieder ein bisschen Arbeit, Ablenkung für mich, da ich mich ja dann an die Ausarbeitung machen muss, damit es Platz in dem Programmheft findet und wenn alles gut geht, erscheint sogar der Name meiner Wenigkeit irgendwo in diesem Heft.
Einundzwanzigstes Kapitel Was sie nun wieder wollte. Weshalb mich die Mutter anrief, das weiß ich erstrecht nicht und ohne nach meinem derzeitigen, verwirrenden Zustand zu fragen, erzählte sie mir von Dingen, die ich nicht hören wollte ‚ oder die mich schlichtweg überhaupt nicht kümmern, so das ich sie in meiner inneren Erregung fragte, was sie mir da eigentlich erzähle. Da sie das nicht ganz verstand, fragte sie mich, ob ich keine Zeit hatte und kurz angebunden sei. Weder das eine noch das andere, aber im Moment ist mir nach solchen komischen Gesprächen
Überhaupt nicht zumute und ich wollte nur wissen, ob das Zelt vielleicht nun doch irgendwo aufgetaucht ist. Kurz darauf tat es mir schon wieder ein ganz klein wenig leid, aber aufgrund dessen was sie sagte, bestand für mich nicht der geringste Anlass mich anzurufen, denn das alles interessiert mich Momentan überhaupt nicht und wenn sie sich einmal danach erkundigt bitte, würde sie meine leichte Gereiztheit ganz gut verstehen, außerdem konnte sie jeden Moment anrufen, das heißt, sie blockierte die Leitung und es kam ja schon vor, das sie am Tag bereits schon einmal anrief und da sie mich nicht wissen ließ, wann sie vorhat mich anzurufen, erwartete ich ihren Anruf jederzeit. Also keine Behausung in Form eines Zeltes, wobei ich mich jetzt nur frage, wo dieses abgeblieben ist, was im Grunde eigentlich egal ist und sie sich dann darum wird kümmern müssen, —sagte sie ja auch, das sie bestimmt eines aufgetrieben bekommt, falls es überhaupt dazu kommt, oder steht es nun nicht mehr in den Sternen? Apropos Folk, da fällt mir ein, was ich vergaß zu erwähnen, das ich selbstverständlich zu jeder Veranstaltung ganz herzlich eingeladen sei, ob ich nun einen Artikel darüber verfasse oder nicht, spielt überhaupt keine Rolle, ich sei immer herzlich willkommen, ließ mich die Vorsitzende selbigen Klubs wissen, eben an dem Abend, wo die “Avantgarde der Künstler“ verkehrte und worüber es eine kleine Meinungsverschiedenheit gab, was, wenn ich jetzt daran denke, teils amüsant, teils aber dann doch wieder ein wenig traurig war, da es ja einem Künstler, fast die Tränen in die Augen trieb. Wie herrlich gleichgültig einem doch alles sein kann, wenn man verliebt ist, ja, bin ich denn überhaupt verliebt?, ich würde mal sagen ja, das bin ich und diesmal aber richtig, bis ins Mark.
Zweiundzwanzigstes Kapitel Meine Meinung gefragt0 Das er ausgerechnet meine Meinung hören wollte, der gute Freund, ob es wohl Sinn macht, seine ehemals etwas jüngere Geliebte, wieder an sich heranzulassen. Warum nicht entgegnete ich ihm, solange es ihr ernst ist und sie nicht wieder mit ihm spielt und ihn tyrannisiert und in der Öffentlichkeit denunziert. Gut, der Altersunterschied, aber ist und wäre der nicht in dem Fall noch äußerst human? Und letzten Endes ist meine Meinung doch nun wirklich nicht von Belangen, Bedeutung, denn er allein müsse wissen, ob er sich ein zweites Mal auf sie einlässt und nicht ich. Ich habe im Moment selber genug eigene kleine Sorgen, die mir auch keiner abnimmt und noch viel weniger meine Entscheidungen, ob ich sie treffen muss oder nicht, aber abnehmen tut sie mir niemand Vielleicht einmal

davon abgesehen, das es gar nicht gilt, irgendwelche Entscheidungen zu fällen und wenn doch, so bin ich der Ansicht, das sie gemeinsam getroffen und. entschieden werden sollten und- meine Vermutung scheint sich zu bestätigen, nämlich dahingehend, das sie nicht anrufen wird. Einen Teufel werde ich tun und mich bei ihr melden, entweder meldet sie sich bei mir, ganz gleich wann, oder sie läst es eben bleiben und wird wissen, weshalb sie mich nicht, wie versprochen anrief. Ich träume ja noch immer davon, das sie plötzlich und völlig unerwartet, bei mir klingelt und somit vor meiner Türe steht, mitten in der Nacht, doch auch das wird nicht geschehen und man muss schon, wer weiß wie blind sein, um daran zu glauben. Ich muss mich schwer hüten, ihr komisches Verhalten nicht darauf zurückzuführen, das sie sich einmal in psychologische Behandlung begeben musste, weil sie einmal ein Irrsinniger so belästigt hat, das ihr die Nerven durchgingen und sie diese Hilfe in Anspruch nahm, nehmen musste. Ihr jedenfalls schein, das die Hochzeit bereits wieder vorbei ist, denn sie ist längst nicht mehr so energisch, wie sie es vor Tagen noch war und von Heirat und was weiß ich nicht noch alles sprach, was nichts weiter war, als überschwängliches, blödes, irrsinniges, wahnwitziges Geschwätz war und sonst nicht weiter. Ach, ein Hauch von Bitterkeit liegt doch schon längst in der Luft und was es auch ist, weshalb sie nun meint, sich nicht melden zu müssen und ein paar Stunden hat sie noch die Gelegenheit, bis ich mich dann auf den Weg zu dieser schaurigschönen Lesung begeben muss und möchte fast wetten, das sie dann in dieser Zeit anruft, und mich jedoch nicht von ihr verrückt, ablenken zu lassen, werde ich mein Telefon daheim lassen. Und ich möchte es fast rücksichtslos nennen, das sie mich jetzt so ignoriert und vielleicht geradeso tut, als gäbe es mich nicht, oder bereite schon nicht mehr, was denkt sie sich nur dabei, ach, falls sie sich jemals überhaupt etwas dabei gedacht hat. Mich beschleicht fast die Ahnung, dass ich niemals wieder etwas von ihr höre und ist sie wirklich dazu imstande, einem Menschen, wie ich es bin, so derartiges anzutun? Ich hätte es wissen müssen, das es zu nichts weiter führen kann, außer zu einem entsetzlichen, unerträglichen, niederschmetternden Herzschmerz, der nicht sie niederdrückt, sondern meine Wenigkeit und ist ihr Sohn, so dermaßen krank, das sie nicht einmal eine kurze Nachricht schreiben kann, muss sie beständig an seinem Bette sitzen? Nein, das glaube ich nun wirklich und wahrhaftig nicht! Kann und will sie tatsächlich so grausam sein? ist sie es womöglich schon? Wie seltsam, trotzdem ihr Junge im Krankenhaus liegt, hat sie einen schönen Abend.
Schön, das sie sich wenigstens über meinen Anruf freute, ganz gleich, bei was ich sie störte oder nicht — mir wenigstens kam es so Vor, als störe ich sie gerade in dem Moment bei irgend etwas. Deshalb wollte ich auch bereits nach wenigen Minuten wieder auflegen, doch da entgegnete sie mir, das ich sie keinesfalls störe und. wir sprachen noch einige wenige Minuten miteinander. So, ihr Junge liegt also im Krankenhaus und sie befand sie gegenwärtig, bei einer Freundin oder was weiß ich wo, um nicht daheim allein zu sein und ich möchte wirklich nur hoffen, das sie mich nicht angelogen hat. Feststeht jedenfalls, das ich mir keinen Horrorfilm anschauen würde, wenn mein Kind im Krankenhaus liegen würde, denn entweder wäre ich dort, oder würde mich gegebenenfalls anderweitig ablenken, oder ablenken lassen, je nachdem, wie schwer die Erkrankung ist — in dem Fall nur reichlich viel Fieber. Ferner ließ sie mich wissen, das sie meinen Brief bereits angefangen hat und auch ihr Junge sich bereits nach meiner Wenigkeit erkundigte, was wohl angeblich so ausgesehen hat. An wen schreibst du denn da Mama, muss er neugierig gefragt haben und seine Mutter versuchte dann wahrscheinlich, ihm ein wenig von mir zu erzählen, wie sie mich kennen gelernt hat, seinerzeit, wer ich damals für sie und wer ich heute bin und dann ließ er seine Mutter wohl auch weiterschreiben. Anstatt sich einen Horrorfilm anzuschauen, hätte sie mir vielleicht lieber einmal antworten sollen, denn dann hätte ich sie mit meinem Anruf nicht belästigen zu brauchen. Mich jedenfalls beschlich, das eigenartige Gefühl, dass sie nicht gerade erfreut meinen Anruf entgegennahm und sich nicht bei einer Freundin befand, doch ach, was geht mich denn das eigentlich an? Sie jedenfalls wollte sich melden, sobald. es wieder ein wenig ruhiger um sie geworden sei und sie versicherte mir, das alles so bleibt, wie wir es abgemacht haben und sie sich schnellst möglich wieder melden will0
Dreiundzwanzigstes Kapitel Schaurig—schöner Literaturabend, Wie immer und selbstverständlich, erschien ich pünktlich zu dieser musikalischen Lesung. Erst stand ich wartend, wenige, einige Minuten vor dem Eingang, denn drinnen schien noch nicht sonderlich viel los zu sein und dem war dann auch so, als ich dann endlich die Treppen hinauf— stieg. Kaum hatte ich jedoch, das Gelände betreten, da winkte mir ein junges Fräulein aus ihrem Wagen zu, worüber ich mich ein wenig wunderte, denn auf den ersten Blick erkannt ich sie nicht gleich wieder, um wen es sich bei handelte, so das ich mich verwundert nach ihr
umsah und. erkannte sie schließlich. Natürlich, das junge Fräulein, die mich unentwegt angestarrt hat und mich dadurch reichlich nervös gemacht hat, was mir mit meinen Blicken, bei ihr nicht gelungen ist, oder doch? Jedenfalls sah ich mich noch zweimal nach ihr um, um auch wirklich sicher zu gehen, ob sie es auch tatsächlich ist und sie war es wahrhaftig und wahrscheinlich hat sie sich in dem Moment ein wenig über mich gewundert, das ich mich mindestens zweimal nach ihr umdrehte. Und doch nur ein freundlicher Gruß, aus ihrer Welt, den sie noch mit einem Wink bestärkte, deutlich machte und sonst weiter gar nichts. Drinnen im Gebäude angekommen, begegnete ich sofort, dem Verantwortlichen des Kultursommers, der gehofft hat mich bei dieser Veranstaltung zu treffen, um sich bei mir nach meinem eigenen Projekt zu erkundigen und. ich hatte, ja auch noch, die ein oder andere Frage, auf die ich dann selbstverständlich eine Antwort erhielt. O, wie gespannt schon alle sind sagte er und möchte doch nun auch, so schnell wie möglich alle wichtigen Informationen bekommen, damit er sie an anderer Stelle vorlegen, vortragen kann. Nun, am kommenden Dienstag treffe ich mich mit demjenigen und bekäme erst an diesem besagten Tag, alle erforderlichen, nötigen Informationen und die Fotos und das alles wird er dann bereits einen Tag später bekommen. Als das geklärt war, wechselte ich ein paar Worte mit dem Maler, der vor wenigen Tagen seinem Ärger gehörig Luft machte. Nein, da habe ich nun wirklich absolut kein Mitspracherecht, was das Veröffentlichungsdatum meiner geschriebenen Artikel anbelangt, aber ich denke nächsten Mittwoch müsste der Artikel spätestens erscheinen und ich war sowohl privat, ais auch beruflich, im Auftrag unterwegs, den ich mir an Land zog, denn hätte ich meinen Redakteur nicht danach gefragt, darum gebeten, so wäre ich nicht erschienen. Nun, was ich bin, nicht weiter der Rede wert, nur ein erfolgloser Schriftsteller und Fotograf und ein kleiner freiberuflicher Journalist. mit Erfolglosigkeit und durchaus schlechten Zeiten, schien er sich bestens auszukennen, die hat er selbst schon in seinem Leben durchgemacht, durchriebt, bis er zu einem freischaffenden Künstler wurde und zählte mir, Zeit ihres Lebens erfolglos gebliebene Künstler auf, wie zum Beispiel: van Gogh, Paul Celan und noch einen, der mir jedoch nicht geläufig war, aber höchstwahrscheinlich ein Maler, um den es sich da handelte. Doch, wir unterhielten uns ganz ausgezeichnet, an— geregt und ließ mich wissen, das wenn er letztens nicht so aufgebracht, wütend gewesen wäre, er seinem Ärger noch mehr Luft gemacht hätte, als er es ohnehin schon tat.
Das war die Gelegenheit ihm zu sagen, das ich mir gerne, die künstlerische Freiheit herausgenommen hätte, ebenfalls ein paar Worte zu sagen, mit denen ich mich durchaus nicht gerade beliebt gemacht hätte, wenigstens nicht bei dieser koketten, abgeschmackten, dekadenten Künstlerin, deren Kunst, so sagte er mir, nun wirklich nichts avantgardistisches darstellt und mit der sie sich stellenweise so anbiedert, das man auch hierüber nur den Kopf schütteln kann. Beliebt oder Unbeliebt, was kümmert mich das schon und. ich biedere mich nicht an, niemals und siehe doch da, man empfiehlt mich nachdrücklich, kommt auf mich zu und blödsinnigerweise nicht umgekehrt. Das sind Glücksmoment im Leben eines erfolglosen Künstlers, ganz gleich, ob man sich für meine Schriftarten interessiert, entscheidet oder nicht, das wiederum steht dann auf einem anderen Blatt Papier. Einen Platz in der hintersten Reihe, hatte ich mir bereits gesichert, was wenig später, als die musikalische Lesung begann, den Geschäftsführer nicht daran hinderte, sich an meinen Tisch zu setzen. Davor jedoch wurde ich noch, von dem Leiter der Künstlergruppe im “Irrenhaus“ begrüßt und dem mein Artikel, über eben diese Ausstellungseröffnung noch nicht vorgelegt worden ist, warum, das kann ich ihnen nun auch nicht sagen, abgeschickt habe ich ihn jedenfalls kurz nach dem Erscheinen und schnell hakte der Geschäftsführer ein, das wenn man interessiert sei, der Artikel noch einmal von ihm zugesandt werden kann. Ich hatte ja mit einem Rückruf gerechnet, von demjenigen, der darum bat, den Artikel zugesendet zu bekommen und das erste Mal bekam ich eine Kritik zu einem meiner Artikel und zwar von dem für mich, lieben Menschen, den jedoch nichts weiter daran störte, außer eben dies, das ich seiner Meinung nach ein wenig oft, die beiden Worte “psychische Erkrankung“ erwähnte ‚na ja ‚ niemand ist perfekt und ich ohne fundiertes, journalistisches Wissen, ohnehin nicht! Einen Unterschied mache ich eigentlich nicht, denn ich schreibe so, was die Pressemitteilung hergibt und eben so, wie es sich wahrhaftig an Ort und Stelle zugetragen hat. Was für eine aparte, zierliche Künstlerin, die mich mit ihren Texten sehr begeistert hat und an denen ich überhaupt nichts düsteres fand, allenfalls waren diese melancholisch und mir rissen sie jedenfalls nicht den Boden unter den Füßen weg, wie in der Vorankündigung zu lesen war, oder besser gesagt, gewarnt worden ist. Fasziniert hat mich ihre sehr sensible Stimme und die Liebesgeschichte, die Gefühle und Empfindungen zweier Frauen füreinander, von denen die eine, eine Prostituierte war und wie gesagt, mich schockierte die
Geschichte in keinster Weise, wie es vielleicht, bei dem ein oder anderen der Fall gewesen sein mag und wenn ich mir, gelegentlich tat ich dies, mir die Gesichter der Hörer betrachtete, so konnte sich manch einer damit nicht so recht anfreunden. Die Musik dazu war ebenso melancholisch, passte haargenau zu meinem derzeitigen Befinden, Gefühlszustandszustand und hatte für mich, schon etwas expressionistisches und manchmal genauso “grausam—melancholisch“ ‚wie die Texte, Geschichten, die mich sehr berührten, ja, ich gelegentlich sogar lächeln musste, über soviel “Grausamkeit“. Also alles in allem, ein sehr schöner, inspirierender Abend und wieder einer, der Abende der mir verdeutlichte, das es sehr viel sein muss, sehr viel geschehen muss, was mich dazu. bewegt, tatsächlich von hier fortzugehen, jetzt, wo ich mehr und mehr in gewisse, künstlerische Kreise vorstoße, vorwärts getrieben werde, ohne eigentlich selber etwas bewegendes hierfür‘ getan zu haben und ich kann mich deshalb auch immer noch darüber wundern, das man mich mit Nachdruck für ein geplantes Projekt empfohlen hat. Aber was heißt hier ich mache nichts, das ist natürlich völliger Unsinn und wenn ich nur für die Öffentlichkeit in einer Wochenzeitung schreibe und eben dadurch sich, der ein oder andere, vielleicht nützliche Kontakt ergibt und ich sozusagen, ziemlich häufig präsent bin, als Künstler und freiberuflicher Journalist. Nicht unerwähnt möchte ich lassen, das die Dame vom “Weinausschank“ auf mich zukam, um mir ein zweites Glas Wein einzuschenken, was ich sehr reizend von ihr fand und was ihr natürlich auch von meiner Wenigkeit gesagt werden musste und mit einer leichten Verbeugung, bekräftigte ich meine Aussage ihr gegenüber. Und das hat doch auch etwas für sich, wenn fremde Damen, einem einen Schritt entgegenkommen, sei es auch nur, um ein Glas wohlschmeckenden Rotweins nachzuschenken, denn die, von der ich es mir wünschen würde, das sie einen Schritt auf‘ mich zugeht, wird es nicht tun und ich bin wirklich, am ernsthaften überlegen, ob es nicht gescheiter wäre ‚ sie nicht zu besuchen, wo ich doch weiß ‚ das wir uns nach den Tagen meines Aufenthaltes bei ihr trennen werden und das es eine endgültige Trennung sein wird, von der ich gar nicht wissen möchte, ob und wie ich diese überlebe.
Vierundzwanzigstes Kapitel Was für eine krankhafte Furcht. Ich darf gar nicht an den morgigen Vormittag denken und wenn ich es tue, dann wird mir jetzt schon äußerst komisch, schwindlig und kann nur hoffen, das die Salbe ihre Wirkung nicht verfehlt, sondern vollständig entfaltet, damit ich weder den Einstich verspüre, noch sonst irgend etwas.
Schon jetzt und bei dem Gedanken daran, bekomme ich Schweißausbrüche, was soll das dann erst morgen werden, denn wenn ich mir die Salbe auf den Arm gekleistert habe, ist es zu spät und es gibt kein zurück mehr. Doch ein zurück gebe es schon, ich entferne einfach wieder alles und gehe einfach nicht hin, woraufhin man mich wahrscheinlich für einen Waschlappen, oder was weiß ich halten würde, was mir im Grunde dann auch so ziemlich egal wie, denn ich habe diese komische Phobie und nicht meine Ärztin, wenn sie dann also bitte möglichst feinfühlig sein möchte! Sie weiß doch gar nichts von dem, was ich alles als Kind durchmachen musste, das ich heute noch immer an dieser Phobie leide und bis vor kurzem wusste ich nichts davon, das man mir einmal Blut aus dem Kopf entnahm und vielleicht war das ja, der Auslöser und alle anderen darauffolgenden Injektionen, die ich schließlich über mich ergehen lassen musste, denn früher oder später fing man mich doch ein.
Fünfundzwanzigstes Kapitel weil es Liebe ist“? Nun, was um alles in der Welt, wollte sie mir damit nur wieder sagen, falls sie mir damit überhaupt etwas sagen wollte und wenn ja, was? Ganz sicher nichts tiefgründiges und von Bedeutung, sondern einfach nur dass, das ihr eben dieses Lied sehr gefällt, ohne das dies auf irgend etwas zu münzen sei. Oder glaubt sie tatsächlich, so energisch wie sie ist, das es Liebe ist? ich jedenfalls ahne schreckliches, was mir bevorsteht und mich erreichen wird und so wie sie gestern mit mir sprach, möchte ich wetten, meine Hand dafür ins Feuer legen, das sie mich nicht, wie versprochen anruft und ich werde auch nichts dergleichen tun. Nein, sie weiß es nicht, kann es nicht wissen, was sie angerichtet hat. Jedoch und das sage ich mit Nachdruck, ist sie für rein gar nichts verantwortlich, denn ich selber ließ es ja alles zu und wehrte mich nicht, gegen meine Gefühle, doch ich hätte es wissen müssen, das es zu nichts weiter führt außer Kummer. Ja, und wie abfällig redete sie gestern überhaupt mit mir?, als sei ich ein Hanswurst in ihren Augen, der sich zum Narren gemacht hat und sonst nichts weiter und wer weiß, wie viele Tage noch vergehen werden, bis ich endlich in meinem Postkasten, einen Brief von ihr vorfinde. Das ist ja ganz entzückend, das sie wenigstens einen schönen Abend hatte, trotzdem ihr Sohn im Krankenhaus liegt und ich weiß wirklich nicht, was ich von alledem halten soll. ist es denn nicht, das Gescheiteste, besser jetzt lebe wohl zu sagen, bevor es gänzlich hierfür zu spät ist und sie mich zerbrochen hat? Und ich bin mir ziemlich sicher, dass sich meine Gefühle in den Tagen bei ihr, noch verstärken würden
Daraufhin dann von ihr für immer Abschied nehmen zu müssen, würde mir das Herz brechen und würde mich womöglich hassen machen, trotz der einzigartigen Tage, die wir miteinander dann verlebt hätten. Ich jedenfalls weiß nur das eine, das ich sie aus tiefstem Herzen heraus verehrt habe und sie ebenso geliebt hätte, lieben würde, womöglich sogar mehr, als mein eigenes Leben. Nun, ich wusste es ja, prophezeite es ja, das sie nicht anrufen würde und es ist nicht Liebe auf beiden Seiten, ganz gewiss nicht.
Sechsundzwanzigstes Kapitel Beim zweiten Besuch. Die Zeit, die ich auf meine Ärztin warten musste, glich einer halben Ewigkeit und alle erforderlichen Instrumente für eine Blutentnahme, lagen bereits ausgebreitet und bereit auf dem kleinen Tischchen, neben der Liegemöglichkeit ‚ auf der ich ganz sicher auch in wenigen Augenblicken meinen Platz finden würde, ohne bis dahin zu ahnen, was mir widerfährt. Also nutzte ich die Gelegenheit dazu, mir alles genau zu betrachten, vor allem aber die Nadel und musste mich davon überzeugen, das diese auch ja nicht zu dick sei und mehr und mehr begann, der Angstschweiß hervorzubrechen und immer wieder drückte ich das Pflaster, mit der sich darunter befindenden Salbe fest, das sie auch ja richtig einzog und somit wirkte. Dann endlich trat sie ein, aber was heißt endlich, denn eigentlich war ich mental immer noch nicht darauf vorbereitet. So reichte ich ihr ängstlich meine kaltschweißige Hand, wissend, was ich gleich über mich ergehen lassen müsse und eigentlich gegen meinen Willen, wenn ich das mal so sagen darf und so etwas hat sie sicher so noch nicht erlebt. Ich war so nervös und von furchtbarer Angst erfüllt, das ich kaum imstande war, ihren einfühlsamen Anweisungen zu folgen, die da waren: mich ruhig und entspannt auf den Rücken zu legen und noch war sie dabei, das Pflaster zu entfernen und der entsetzliche Augenblick rückte immer näher, so das ich nicht ruhig liegen bleiben konnte, sondern hinsehen musste, was sie tat. Dann war es soweit, der für mich schreckliche Augenblick, dem jetzt nicht mehr zu entkommen war und das Lob, welches sie mir erteilte, das ich allen Mut zusammengenommen habe mir Blut abnehmen zu. lassen, half mir in dem Moment auch nicht weiter und nahm mir die krankhafte Furcht erstrecht nicht. Den Einstich spürte ich tatsächlich nicht, aber dann geschah, das Unfassbare, worauf ich überhaupt nicht gefasst war, denn es floss kein Tröpfchen Blut in das Röhrchen, stattdessen zog sich die Ader schlagartig zurück und ich dachte, als sie mir dies eröffnete, mich
müsse augenblicklich der Schlag treffen, denn das bedeutete ja, das sie ein zweites mal zustechen müsse, um an mein Blut zu gelangen und das verursachte nun wirklich einen Schweißausbruch, aller erster Klasse. Was dann daraufhin geschah, war eben—so unfassbar, wie rührend, denn nachdem dieser erste Versuch misslungen ist und meine Hände, jetzt aber richtig mit kaltem Angstschweiß bedeckt waren, erfasste sie meine rechte Hand und streichelte diese, ja, ich möchte fast sagen liebevoll, um mich jetzt erstrecht zu beruhigen und au den zweiten Einstich vorzubereiten, der aber leider zu meiner Enttäuschung nicht von ihr vorgenommen worden ist, das erledigte eine der Schwestern, die Beste, wie sie selber sagte, wolle sie mir schicken, um einen zweiten Anlauf zu wagen. Hier kann ich es ja sagen, wie seltsam mich dies berührte, tröstete, als sie meine Hand so mitfühlend streichelte und ich fühlte mich dabei schon etwas komisch, ja ich schämte mich sogar ein wenig, das ich so ein Angsthase sei und meine Phobie bis heute nicht losgeworden bin. In dem Moment kam ich mir wie ein etwas größeres Kind vor, denn so wie sie mir die Hand streichelte und mich damit zu beruhigen, trösten versuchte, so hätte sie es wahrscheinlich auch bei einem kleinen, furchtsamen Kinde getan und doch war ich komischerweise angetan, von dieser ihrer Berührung, als stünden wir uns in irgendeiner Form anderweitig nahe, so vertrauensvoll berührte sie mich und streichelte meine Hand— wie seltsam, das doch alles, Hatte sie keine Zeit, noch einen zweiten Versuch zu wagen, oder weshalb gab sie schon nach dem ersten auf und schickte mir eine ihrer Schwestern? Bei dieser musste ich mich dann selbstverständlich erkundigen, denn ich wollte nicht, auf gar keinen Fall, das es ihr womöglich unangenehm ist, denn es war ja schließlich meine Schuld und nicht ihre, da sich meine Ader vor Furcht zurückzog und glücklicherweise klappte es beim zweiten Anlauf. So, das hatte ich nun endlich auch überstanden, blieb noch ein paar Minuten liegen, bis ich dann wirklich los musste, da ich um zehn Uhr einen Pressetermin hatte und ich wollte wie immer pünktlich erscheinen. Vor dem Sprechzimmer begegnete ich ihr dann noch einmal, sie fragte mich, wie es gelaufen sei, ob es geklappt hätte und als ich bejahte, hob sie zum Zeichen des guten Gelingen, ihren Daumen in die Höhe und was blieb mir da noch anderes übrig, als ihr herzlich für ihr Verständnis, Einfühlungsvermögen zu danken und ihr einen recht schönen, angenehmen Tag zu wünschen
Siebenundzwanzigstes Kapitel Schwedische Austauschschüler. Ganz kurz
zu meinem Termin an diesem Montag, nach dem ich die Injektion nun doch überstanden habe, musste ich mich im sogenannten Stadthaus einfinden, um dem. Empfang, ausgerichtet selbstverständlich vom Bürgermeister, der also die schwedischen Schülerinnen und Schüler ein paar Tage später begrüßte und mehr als ein Dutzend waren es wohl, die es zu begrüßen galt. Doch zunächst wurde meine Wenigkeit vorn Bürgermeister begrüßt, wie so oft schon, also wirklich nichts ungewöhnliches mehr, zu Anfang war es das noch, als ich mit meiner journalistischen Arbeit begann und heute kennt man sich, zwar flüchtig, aber man kennt sich, man kennt mich, heute kennt man sich, zwar flüchtig, aber man kennt sich, man kennt mich, und weiß, was ich mache. Neben der Begegnung mit dem Bürgermeister, begegnete ich natürlich unzähligen Schülerinnen und Schülern und erstere Gruppierung, mögen es zwei oder drei gewesen sein, tuschelten über mich, als sie mich mit meinem kleinen Schreibblock erblickten und ich vermute mal, das sie zu der Feststellung kamen, ich müsse wohl für eine Zeitung oder ähnliches schreiben und während sie so tuschelten und rätselten, lächelten sie mir zu und nach meiner “Zwangsinjektion“, tat mir dies ganz wohl und noch wohler wäre mir, zumute, wenn sie sich einmal wieder melden würde! Der Zauber ist verflogen und spätestens jetzt müsste doch feststehen, das sie im Begriff ist, mich und diese Geschichte zwischen uns abzuhaken, oder ist es nicht so? Und fürwahr, ich hätte sie nicht für so durchtrieben rücksichtslos gehalten, aber sie ist eben anscheinend doch nur ein Weib, wie viele andere ihrer Art. Wenn jedes einzelne Wort, was sie gesagt oder geschrieben hat, wahr gewesen wäre, würde sie dann so handeln und mich über mehrere Tage hin weg, schlicht und einfach ignorieren? — ganz sicher nicht und somit dürfte ebenfalls feststehen, das es zu keiner zweiten Begegnung kommen wird. und im Grunde auch nicht kommen darf, oder doch? ‚wer weiß das schon. Vielleicht erreicht mich ja ihr Brief doch noch in den nächsten Tagen und bringt es endlich ans Tageslicht, die Klarheit, das sie mehr als energisch eine blödsinnige Idee verfolgte, die durchzusetzen sie ohnehin nicht imstande gewesen wäre, es sei denn sie verspürte tatsächlich, so etwas wie Liebe. Mir jedenfalls kommt das doch jetzt alles sehr fragwürdig vor und es war also doch nur eine fixe Idee und ein reichlich abgeschmacktes Spiel, noch dazu mit meinen Gefühlen, was mich noch einmal dazu nötigt zu sagen, das es gescheiter gewesen wäre, sie hätte ihr Telefon vor wenigen Tagen an die Wand geschleudert, oder ich besser nicht auf ihre Nachricht reagiert, dann wäre mir so einiges erspart geblieben und nicht nur, die nervenaufreibende Sehnsucht nach ihr. Nein, das geht mir einfach nicht aus dem Kopf, wie eine erwachsene Frau.

Jan-Daniel Carpentier