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©arsten Lübbert
Brahms am Kanal

von
Dr. Werner von Hörschelmann



Kategorien
Künstlerisches; Besinnliches
„Ich ging am Wasser so für mich hin, und nichts zu suchen, das war mein Sinn“. Bei Goethe war es zwar der Wald in dem er „so für sich hinging“. Aber am Kanal ist es eben das Wasser. Und dann war es auch kein „herzigs Veilchen“, das ich fand, sondern ein versonnener Jüngling.
Nein, eigentlich sah ich zuerst Mozart. So heißt nämlich der große Hund des Knaben, den ich da sah. Der junge Mann, begleitet von Mozart, las. Er las im Gehen. „Kultur am Kanal“ — sichtbarer kann sie nicht zutage treten! Sicher geführt vom Verlauf des Deiches achtete er nicht auf den Weg, sondern nur auf seine Lektüre.
Ich fragte ihn, was er denn da so intensiv lese. Und durch Mozart schon irgendwie musikalisch eingestimmt, war ich nicht überrascht, als er sagte: „Ein Buch über Brahms.“ Brahms am Kanal! „Ja“, dachte ich, „das stimmt irgendwie. Die norddeutsch herbe Romantik der Kanallandschaft und die Musik von Johannes Brahms, sie passen zueinander.“ Sicher war der 1833 geborene Brahms nie am Elbe-Lübeck-Kanal gewesen — weil es den damals noch gar nicht gab. Aber eine Stecknitz-Trave-Fahrt von Lauenburg nach Lübeck hat er vielleicht mitgemacht. Wanderlust wird ihm jedenfalls nachgesagt. Und da ist es schon sehr möglich, dass er sich vom nahen Hamburg aus in das Delvenau-Stecknitz-Trave-Tal aufgemacht hat und sich dort von der zugleich zurückhaltenden und doch überwältigend schönen Natur mit ihren Wiesen, Wäldern und Seen hat inspirieren lassen.
Alle seine musikalischen Werke, gleich ob Symphonien und Kammermusik oder Chor und Gesang, tragen ja den Charakter des romantischen Realismus der Norddeutschen eine bei aller damals aufkommenden modernen Kompositionskunst stets sangbare und liedhafte Musik, so schnörkellos und eingängig und zugleich so reich an Perspektiven und Horizont wie unsere Landschaft.
Ein Richard Wagner hätte hier nicht hergepasst!
Aber ein junger Kanalanrainer, der auf die Frage „Lieben Sie Brahms?“ mit tiefer Überzeugung „Ja!“ sagt — das stimmt!

 

Dr. Werner von Hörschelmann