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©arsten Lübbert
Angler

von
unbekannt



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Alltägliches; Naturkundliches; Besinnliches; Heiteres
Angler, da gibt es sonne und sonne und auch andere.
Wir Kanalisten angeln fast alle. Und wir essen unsere Fische auch. Ähnlich wie die Naturvölker leben wir gern aus der Natur und mit der Natur.
Der Angler ist von Natur ein Naturfreund. Stundenlang kann er beobachten – nicht nur seine Pose (für Nichtangler: Pose = Schwimmer über dem Haken), sondern auch die Mücke auf seiner Hand, wie sie immer dicker wird von seinem Blut, die Maus, die vom Geruch der Köder angelockt, über seine Füße huscht, das Treiben der Wasservögel vor ihm und den Flug der Fledermäuse über ihm, - und wie die Sonne sich verabschiedet und der Mond erscheint, um mit seinem schiefen Lächeln die leeren Bierflaschen um ihn herum zu zählen. – Der Angler: ein Gemütsmensch!
So unter Beweis gestellt an unserem Kanal. Da saß einer dieser Angler. Er hatte seine Ruten ausgelegt. Ein Kanalansässiger kam mit einem jungen Hund vorbei. Der Hund wurde vorsichtshalber an die Leine genommen, damit er nicht das Angelgeschirr durcheinander bringt. Wie sich’s gehört wurde „Petri Heil!“ und „Petri Dank!“ gegrüßt. Als etwa hundert Meter zwischen ihm und dem Angler lagen, machte der Hundbesitzer sein Vieh wieder los. Und das, nicht faul, drehte auf dem Absatz um, rannte zum Angler zurück, wirbelte die Angelruten durcheinander, schmiss Köder und Angelkoffer um und kehrte freudestrahlend zu seinem Herrn zurück. Der, starr vor Schreck und Scham und Ärger über den Köter, geht mit zitternden Knien zu dem Angler von einem Donnerwetter bis zu einer Anzeigenandrohung alles erwartend. Er entschuldigt sich vielmals. – Und der Angler? Der sagt nur dies: „Sonne Hunde muss es auch geben.“ Sagt’s, sammelt alles wieder auf, sortiert seine Angeln und angelt in aller Seelenruhe weiter.
Der Mann wird wahrlich Petri Heil erfahren, wenn er dereinst an die Himmelspforte klopft!

Ganz anders ein anderer Angler. An den Kiesseen neben den Kanalufern führen sie sich oft auf wie die mittelalterlichen Feudalherren.
Eine Frau geht im heißen Sommer mit ihrem Hund zwischen zweien dieser Seen spazieren. Der eine ist ein Angelsee, der andere nicht. An beiden steht ein Schild „Baden verboten“. Der Hund holt sich etwas Kühlung im Nicht-Angelsee. Ein Angler am Angelsee beobachtet das. Er stellt die Frau barsch zur Rede: „Können Sie nicht lesen? Hier ist Baden verboten!“ Die Frau: „Sehen Sie einen Badeanzug an mir? Habe ich etwa gebadet?“ „Nein, aber Ihr blöder Köter!“ „So“, sagt die Frau, „Sie haben wohl Schwierigkeiten mit der Natur, speziell mit Tieren. Jetzt weiß ich, warum Sie angeln. Sie wollen den Fischen das Baden verbieten!“
Der barsche Herr schnappte nur noch nach Luft – wie ein Barsch auf dem Trockenen.