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©arsten Lübbert
Der Fischzug

von
Nikolas Lübbert



Kategorien
Alltägliches; Heiteres; Naturkundliches

Es war ein warmer Sommertag, als ich am Elbe-Lübeck-Kanal stand und angelte.

Die Möwen schrien, und die noch jungen Enten gründelten in Ufernähe.

Ich zog in aller Ruhe meinen Blinker durch das Wasser und beobachtete wie ein Eisvogel, gar nicht weit von mir, einen kleinen Fisch verspeiste.

Unser Haus liegt direkt am Kanal und mein Vater saß in seinem Arbeitszimmer. Ich glaube, er hatte schon genug von mir. Immer wenn ich einen Fisch fing und sei er noch so klein, lief ich stolz zu ihm, unterbrach ihn bei der Arbeit um den Fang zu präsentieren.

Ich warf den Blinker wieder aus und überlegte, was wir heute wohl essen würden, als es plötzlich wie wild an der Rute zerrte. Ich wurde völlig aus meinen Gedanken gerissen. Mein Herz schlug schneller, kein Wunder, hatte ich doch nie zuvor etwas mit dem Blinker gefangen. Ich schraubte die Bremse der Rolle los, damit der Fisch erst einmal ziehen konnte. Die Rute bog sich bis zum Anschlag und die Bremse schrie. Was ich auch versuchte, ich bekam den Fisch nicht dichter ans Ufer. Doch langsam wurde er schwächer und ich zog ihn über den Kescher an Land.
Es war ein langer, silbern schimmernder, mir unbekannter Fisch. Ich hob ihn aufs Land, entfernte den Haken, nahm Maß und staunte nicht schlecht, als ich überrascht die Länge von 69cm ablesen konnte.

Schnell erlegte ich den Fisch und trug ihn nach oben auf unser Grundstück. Auf der Terrasse legte ich ihn ab und rannte zu meinem Vater. Ich rief ihm zu: „Papa, Papa ich habe einen riesigen Fisch gefangen!“ - Er kannte meine bisherigen Vorstellungen von riesig und folgte mir mürrisch. Als er jedoch den Fisch sah, fiel er aus allen Wolken. „Was ist das?“, fragte er verwundert. Solch einen Fisch hatte selbst er noch nicht gesehen.

Einige Nachforschungen ergaben, dass es sich um einen so genannten „Rapfen“ handelte, einen Räuber der direkt unter der Wasseroberfläche jagt.

Somit war das Abendessen gesichert. Mein Vater suchte sich einige Rezepte aus dem Internet. Ein Rezept, bei dem der Fisch gegrillt wird, hat uns besonders gefallen. Wir setzten uns mit unseren Nachbarn zusammen und bereiteten alles auf das Festessen vor.

Der Fisch wurde eingelegt und der Grill vorgeheizt.

Am Abend war es endlich so weit. Ein lieblicher Duft nach Gewürzen und Holzkohle lag in der Luft. Das Rezept hatte nicht zu viel versprochen es war ein wirkliches Festessen.


Nikolas Lübbert