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©arsten Lübbert
Jungfrosch und Kanalhund

von
Detlef Romey



Kategorien
Naturkundliches; Besinnliches
Jungfrosch und Kanalhund
Eine wahre Begebenheit (1997)

Wöchentliche Fahrradtouren. Berkenthin hin, zurück Richtung Siebeneichen,
und vorn, auf dem Hochsitz aus Bast, mein Hund. Rufname Bengi und er wusste
um diesen Namen und um seine charakterlichen Vorzüge. Ein Shi Tzu. Wenn der Fahrwind seine lang behaarten Ohren nach hinter warf, und das Rauschen des Windes einen eigentümlichen Klang in meinen Ohren hinterließ, dann hatte das für uns beiden alles etwas von „Easy Rider“, totale Freiheit. Ich erzählte meinem Hund von diesem Film und er lag später mit mir auf dem Sofa und hörte mit zu. Der Film schien ihn nicht sonderlich beeindruckt zu haben. Ein Hund guckt eben kein Fernsehen. Logisch. Seine großen Kulleraugen warfen nicht einen Blick auf den Fernsehschirm. Er musste den Film jedenfalls falsch verstanden haben, denn auf unseren Touren ereigneten sich just nach dem Filmabend Vorfälle die ihn eher mit Heinz Sielmann in Verbindung bringen sollten. Bengi zog es nun vor, wenn er seinen gemütlichen Bastkorb verließ, um mich auf allen Vieren zu begleiten, Kleintieren das Leben zu retten. Da hatte meine private Beschäftigung mit dem Tierschutz bei ihm also mehr Früchte getragen. Seit weit über 20 Jahren bin ich Mitglied der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt. Bücher und natürlich auch Tierdokumentationen sind wöchentlich, ja fast täglich von Interesse. Mein Hund wandelte sodann auf meinen Spuren und zwar als recht aktives Nichtmitglied. Nun wird sich bestimmt jeder Fragen welche Tiere er rettete und vor wem und was? Frösche, Blindschleichen, Schnecken, dicke Käfer, eben Lebewesen die sich auf dem Fahrradweg am Kanal nicht rechtzeitig vor „tödlichen“ Rädern retten konnten. Bengi lief voraus und machte genau dann halt wenn er ein solches Tierchen vor sich kriechen oder krabbeln sah. Dann begann er wie wild zu kläffen und wartete auf mein kommen. Angst zeigte er nicht. Ich schob oder trug die manchmal sehr kleinen Mitbewohner unserer Erde ins Gras, ins Schilf. Bengi leckte danach meine Hand.
Ich weiß nicht wie viel er in über zehn Jahren gerettet hat, aber wenn ich heute am Kanal entlang fahre, überkommt mich eine eigenartige Wehmut und wenn ich eine Schecke auf dem engen Fahrweg sehe, dann mache ich halt und nehme sie von der Strecke. Seltsamerweise hatte er dieses Verhalten nur am Kanal und nicht im Hellbachtal, unweit von Mölln. An unserem Bootsteg, am Schulsee, rieche ich förmlich die Nähe unseres Kanals und bedauere jedes Mal dass unsere Katzen nie in den Genuss kommen werden an ihm herum zu streunen. Die Wasserstraße ist für mich eine Seelenbahn in die Ferne, die ich so oft aufsuchte. Ich genieß jeden Meter Fahrradweg am Kanal und er wirkt immer wieder inspirierend. Pinsel oder Schreibstift, Bild und Gedicht, immer wieder zeigt er ein anderes Gesicht. Als Kind plumpste ich hinein, als Herzkranker halfen mir die Blicke zum Ziegelsee und ein kleiner Bildausschnitt des Kanals, um über eine Krankheit hinweg zu kommen. Heute leben wir am See mit direkter Verbindung zum Kanal und wenn immer möglich paddeln wir hin und erleben die Welt des Ufers vom Wasser aus. Einmal ertappte ich ein Liebespaar im Schilf, dachte an Bengi und unterließ eine Rettung, denn die Zwei waren längst nicht mehr zu „retten“
.

Detlef Romey