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©arsten Lübbert
Drei Hälften - oder: schade um die Schleuse.

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unbekannt



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Besinnliches; Historisches; Nautisches
Mit der Plamschleuse an der Elbe und der Stecknitzfahrt ab 1398 hat alles angefangen. Seit Herr Palm dieses heute noch zu besichtigende technische Meisterwek fertiggestellt hatte, konnte man per Schiff relativ bequem auf der Delvenau-Stechnitz (der Mutter des Elbe-Lübeck-Kanals) Güter von Launeburg nach Lübeck transportieren. Die maritime Verbindung Hamburg-Lübeck, Nordsee-Ostsee war hergestellt.

Natürlich ging es nicht ohne weitere Schleusen. Die nächste in Richtung Norden war die Dückerschleuse bei Witzeeze. Auch sie ist heute noch zu besichtigen - aber nur mit Mühe. Viel Geld wurde investiert, um sie im Originalzustand zu restaurieren. Aber wenig wurde investiert, um sie zugänglich zu machen. Und das auch erst mit großer Verzögerung. Das romantische Strohdach-Schleusenwärterhaus ist fremd oder fremdländisch vermietet oder verkauft. Jedenfall ist der direkte Zugang zur Schleuse von Westen her verboten. Es gibt deshalb einen Grasweg um das Haus herum zur Delvenau. Ansprechend gestaltete Informationstafeln auf einem kleinen Parkplatz davor machen einen neugierig.

Man geht also um das Haus herum, gelang zu dem umfriedeten privaten Friedhof der früheren Schleusenwärter und landet auf einem Holzsteg, der über die Delvenau führt. Eine Pforte muß geöffnet werden. Und dann steht man auf einer Schafweide. Über die muß man dann gehen, um dann schließlich der historischen Dückerschleuse ansichtig zu werden.

Nun ist der Anblick dieser Schleuse nicht ein so überwältigendes Ereignis, dass man deswegen einen ganze Reise dorthin planen würde. Sinnvoll wäre es, sie in eine Wanderung zu integrieren (wie etrwa die Reste des Limes in die Wanderwege des Odenwaldes). Und die Wege dafür sind auch tatsächlich vorhanden.
Aber weit gefehlt! Wer etwa von der Dückerschleuse in Richtung Zweedorf weiter gehen will und von dort wieder zu seinem Auto auf dem kleinen Parkplatz, der weiß eventuell, dass dies eigentlich ginge. Aber er oder sie muß schon sehr sportlich oder mutig sein, um das zu schaffen.

Gleich nach der Dückerschleuse in Richtung ehemaliger Patrouillenweg der DDR steht das erste Hindernis: ein elektrischer Weidezaun für Schafe. Ganz Sportliche springen einfach drüber. Andere müssen wissen, wie man mit so einem Ding umgeht, ohne einen Schlag zu bekommen. Auf dem Patrouillenweg geht es dann zur Straße Zweedorf-Dalldorf und von dort auf einem gut begehbaren Feldweg bis zu der seeartigen Ausbuchtung des Elbe-Lübeck-Kanals und schließlich auf einem winzigen Trampelpfad, der wohl nur den Anglern vorbehalten ist, zurück zum Parkplatz. Die Gefahr, auf diesem Pfad angeschnauzt zu werden, ist hoch.

Dabei wäre dies alles ein so schöner, natürlicher Rundweg, der andernorts wohl sofort als touristische Chance erkannt worden wäre. Das Gasthaus, das es nach der Wende in dem ehemaligen Schleusenwärterhaus gab, würde wohl auch heute noch leben, wenn man diesen Weg damals schon als Wanderweg ausgewiesen hätte.

Wer blockiert hier? Der Denkmalschutz, der sich wohl zu lange Zeit ließ, einen Steg über die Delvenau zu bauen? Der Naturschutz, der den Zugang zu dem Gürtel an der ehemaligen Grenze eventuell vereiteln will? Oder die Schafhirten und Angler, die nur ihre Interessen gewahrt wissen wollen?

Wie kriegt man diese drei Hälften so zu einem Ganzen, dass auch anderen damit gedient ist? Es fehlt eben noch der touristische Teil! Nur so würde die aufwendige Restaurierung der Dückerschleuse Sinn machen!

Ein Viertel für jede Interessengruppe wäre nicht nur genug, sondern ein sinnvolles Ganzes!

N.N.