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©arsten Lübbert
Kormorane

von
Redaktion



Kategorien
Alltägliches; Naturkundliches
Herrn
Minister Christian von Boetticher
Landeshaus
24103 Kiel


Sehr geehrter Herr Minister,
dem Hamburger Abendblatt vom 11/12.06.05 entnahm ich die Nachricht, dass Sie beabsichtigen bestimmte bisher geschützte Vogelarten zum Abschuss frei zu geben. Ich habe diese Nachricht mit Zustimmung und einer gewissen Erleichterung zur Kenntnis genommen.
Als langjähriges NABU-Mitglied, aktiver Naturschützer und intensiver Naturbeobachter habe ich die ständig wachsende Zahl vor allem von Rabenvögeln und Kormoranen mit Sorge beobachtet.

Ich wohne an dem kleinen Lanzer See, durch den der Elbe-Lübeck-Kanal geht. Im letzten Winter habe ich ca. 90 Kormorane gezählt, die sich in dem kleinen Gewässer zwei bis drei Wochen aufhielten. Bei der Ernährungsweise der Kormorane lässt sich leicht abschätzen, was das für den Fischbestand des Sees bedeutete. Im davor liegenden Winter konnte ich etwa 60 Kormorane zählen. Ihre Zahl hat in den letzten zehn Jahren in dieser Weise zugenommen. Eine der offensichtlichen Folgen ist es, dass der Fischadler immer seltener zu sehen war und inzwischen ganz ausgeblieben ist. Die deutliche Abnahme von Fischbrut im Sommer hat wohl auch dem Eisvogel mehr und mehr die Ernährungsgrundlage genommen. Früher ein durchaus häufiger Anblick, ist er in letzter Zeit hier nicht mehr gesehen worden.
Eine andere Beobachtung ist, dass aus einem Feuchtwiesengebiet, die vor gar nicht langer Zeit dort häufigen Kiebitze, Bekassine und Austernfischer gänzlich verschwunden sind. Ich habe beobachtet, wie eine ständig wachsende Zahl von Rabenkrähen die Wiesen abgesucht und die Gelege ausgeräubert hat.
Natürlich sind meine Beobachtungen alles andere als ein wissenschaftlich fundierter Beleg. Sie können aber doch als realistische Situationsschilderung und als pars pro toto gelten.
Und natürlich kenne ich auch die gegen Ihre Pläne vorgebrachten Argumente. Ich halte sie aber für unrealistisch und teilweise ideologisch verengt. In einer weitgehend von menschlichem Eingreifen gestalteten Natur hat der Mensch auch die Pflicht gefährliche Ungleichgewichte auszugleichen.
Ihre Experten werden Ihnen sicher die geeigneten Maßnahmen nennen, wie man die überbordende Population von Tierarten reduzieren kann, die den Bestand anderer Arten gefährden. — Ich erinnere mich zudem an eine Aktion in Schleswig-Holstein aus
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dem Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre als in einem Gebiet, in dem eine explosionsartige Zunahme von Höckerschwänen stattfand, die Schwäne nicht abgeschossen, sondern ganz einfach die Gelege abgesammelt wurden. Auch kann ich mich erinnern, dass die Jäger nicht Krähen, sondern in die Krähennester schossen. Im Falle der in Kolonien brütenden Kormorane ist die Gelegekontrolle eine relativ einfache Angelegenheit. - Natürlich wäre es gut, wenn in diesem Falle MeklenburgVorpommern, Polen und die baltischen Staaten mitzögen (einschließlich des Königsberger/Kaliningrader Gebietes). In „sozialistischer“ Zeit wurde m.W. genau das getan, nämlich eine strikte Kontrolle des Kormoranbestandes — einer Vogelart, die ohnehin zu den Einwanderern in unser Gebiet gehört. Im Bereich der Flora ist der gr. Bärenklau durchaus mit dem Kormoran im Bereich der Fauna vergleichbar.
Mit Dank für Ihre Initiative
Und mit besten Grüßen

Die Antwort des Ministeriums war leider nicht der erhoffte Befreiungsschlag gegen Kormorane und Rabenvögel.


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