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©arsten Lübbert
"ELSAS ERBE"

von
Brigitte Gerkens-Harmann



Kategorien
Künstlerisches
Familien-Saga, die in Roseburg spielt

Autorin Tanja Schlie

"Ich will unterhalten, dem Leser aber gleichzeitig eine bestimmte Zeit nahebringen", sagt Tania Schlie, "deshalb steht vor dem Schreiben immer eine lange Phase der Lektüre und Recherche." Ihr Roman, Elsas Erbe, erschien im Ullstein Verlag. Für dieses Buch grub sich die Autorin tief in die Geschichte der eigenen Familie ein. Es geht um einen sogenannten Kiesbaron und seine Familie: Georg Heller, der dem Urgroßvater der Autorin nachempfunden ist, beutet den Kies aus, der beim Bau des Elbe-Lübeck-Kanals um 1900 vor den Toren Hamburgs gefunden wird. Innerhalb weniger Jahre wird er zum reichsten Mann der Gegend.

Seine Tochter Elsa wächst auf wie eine Prinzessin, sogar das Porzellan ihrer Puppenstube ist aus Meißen. Aber emotionale Sicherheit kann ihr der charismatische, bisweilen größenwahnsinnige Vater nicht geben. Seine Zuwendung schwankt zwischen den Versprechungen auf eine goldene Zukunft als seine Nachfolgerin und gelegentlichen bühnenreifen Wutausbrüchen. Als der Vater Elsa und ihre Mutter von heute auf morgen mittellos zurückläßt, um mit seiner Geliebten und seinem unehelichen Sohn ein neues Leben zu beginnen, muß Elsa sich auf ihre Stärken besinnen, um ihr Leben in Griff zu bekommen.

Für Tania Schlie, die mit dem aus Mölln stammenden CDU-Landtagsabgeordneten Klaus Schlie verwandt ist, hat der Kreis Herzogtum Lauenburg eine große Bedeutung. Nicht nur die besondere Detaildichte, die sie im opulent und sensibel geschrieben Text unterbringt, ist spannend, sondern auch das Gespür für die Gefühle von jungen Frauen. Denn- die Heldin Elsa muß sich durchsetzen, erlebt Schicksalsschläge und auch eine große Liebe, die zum Happy End führt.

Über die Orte Roseburg, Büchen und Siebeneichen sagt Schlie im Nachwort: „Die Ortsnamen haben einen so verzauberten Klang, dass ich der Versuchung nicht widerstehen konnte, sie beizubehalten. Wer kann sich solche Namen ausdenken?“

Eng arbeitete sie mit Archivar Christian Lopau zusammen, der in Mölln und Ratzeburg die Stadtarchive führt und der als Vorsitzender des Kreisheimatbund- und Geschichtsvereins auch Fachmann für Familienschicksale ist. Auch mit dem Ehepaar Wesendahl vom Haus der Stille in Roseburg, dem ehemaligen Familiensitz, führte die Autorin Recherche-Gespräche. Das Buch, im romantisch gefärbten Cover, ist mit einer historischen Karte versehen, die zur Erinnerung der Eröffnung des Elbe-Lübeck-Kanal am 16. Juni 1900 aufgelegt wurde und en Kreis Herzogtum Lauenburg von Lübeck bis Hamburg zeigt.

Das Haus des Großvaters ist heute das Haus der Stille. Es ist ein buddhistisches Meditationszentrum – eines der ältesten in Deutschland. Es besteht seit über 40 Jahren. Die besondere Lage des Hauses der Stille – zwischen Teichen und alten Laubbäumen – bildet eine Atmosphäre, die ein Verständnis für Einfachheit und Frieden begünstigt.

Tania Schlie, Elsas Erbe, Ullstein Verlag 2004, 480 Seiten, € 22,00.

Zur Person

Tania Schlie (45), lebt in Glückstadt. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder. Sie hat ihre Kindheit in Stubben verbracht und das Kreisgymnasium in Bremerhaven besucht, wo sie 1980 Abitur machte. Sie studierte Germanistik und Politik in Hamburg und Paris, arbeitete dann acht Jahre lang als Lektorin im Hamburger Hoffmann und Campe Verlag. Sie ist Autorin wissenschaftlicher Arbeiten zur Exilforschung und Herausgeberin mehrerer Anthologien. Ihr erster Roman Die Spur des Medaillons erschien im August 2001.

Brigitte Gerkens-Harmann