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©arsten Lübbert
Der Elbe – Lübeck – Kanal

von
Andreas Dohms



Kategorien
Alltägliches; Historisches; Nautisches
Der Elbe-Lübeck-Kanal

Wasserstraße zwischen der Ostsee und dem Binnenland

Der Elbe-Lübeck-Kanal (ELK) ist die direkte Verbindung zwischen Lübeck, seinen Häfen und dem Binnenwasserstraßensystem der Bundesrepublik Deutschland. Über den Kanal sind alle wichtigen Wirtschafts- und Ballungsräume Deutschlands, wie Hamburg, das Ruhrgebiet oder Berlin sowie andere europäische Wasserstraßen mit dem Binnenschiff zu erreichen. Neben dieser verkehrlichen Funktion hat der ELK auch eine Funktion als Vorfluter, das heißt, er entwässert die Seen bei Mölln nach Süden in die Elbe und nach Norden in die Trave. Sichtbare Bauwerke dafür sind die Freiläufe an den Schleusen sowie die Wehre in Büssau und in Lauenburg. Seine Nutzung für touristische Zwecke, z.B für das Radwandern auf dem Betriebsweg des Kanals ist ein positiver Nebeneffekt, der von den Menschen gerne angenommen wird.


Neue Schleuse in Lauenburg (A. Dohms)

Eine kurze Beschreibung des Kanals
Mit einer Länge von knapp 61 km ist der ELK eine eher kurze Wasserstraße. Er verbindet die Elbe bei Lauenburg mit der Trave kurz oberhalb von Lübeck. Auf diesem Wege muss er den Endmoränengürtel bei Mölln überwinden. Dafür wurden sieben Schleusen gebaut; mit den Schleusen Lauenburg und Witzeeze steigt der Kanal von der Elbe auf und mit der Donnerschleuse sowie den Schleusen Behlendorf, Berkenthin, Krummesse und Büssau zur Trave ab. Die 30 km lange Scheitelhaltung zwischen den Witzeeze und der Donnerschleuse steht in direkter Verbindung mit der Seenkette bei Mölln, wodurch eine kontinuierliche Speisung des Kanals mit Wasser möglich ist.

Überreste der Stauschleuse Düker bei Witzeeze (A. Dohms)

Geschichte der Wasserstraße
Die erste Wasserstraßenverbindung zwischen der Elbe und Lübeck, die „Stecknitzfahrt, wurde bereits 1398 eingeweiht und diente dem Transport von Salz von Lüneburg in den baltischen Raum. Sie war in Betrieb bis etwa Mitte des 19. Jahrhunderts. Im Vergleich zu heute waren die Schiffe die darauf fahren konnten, klein. Ihre Länge betrug maximal ca. 23 m und sie konnten bis zu 37 t Ladung aufnehmen. Der Tiefgang betrug meistens weniger als einen Meter. Zur Überwindung der Höhen bei Mölln mussten damals 17 Schleusen gebaut werden. Nur zwei von ihnen waren Kammerschleusen, die übrigen Stauschleusen.

Palmschleuse in Lauenburg (A. Dohms)

Aufgrund der begrenzten Abmessungen wurden im 19. Jahrhundert Forderungen nach Errichtung einer modernen und ausreichend bemessenen Wasserstraße erhoben. Diese führten Ende des 19. Jahrhundert zu konkreten Planungen und schließlich zwischen 1895 und 1900 zum Bau des heutigen Elbe-Lübeck-Kanals. Nach seiner Einweihung konnten deutlich größere Schiffe, nämlich mit einer Länge von bis zu 80 m und einer Ladungsmenge vom mehreren hundert Tonnen pro Fahrzeug den Kanal befahren. Sieben Schleusen wurden gebaut, von denen sechs noch in den ursprünglichen Abmessungen vorhanden sind. Lediglich die Schleuse Lauenburg wurde inzwischen neu gebaut und ist seit Mai 2006 im Betrieb. Die Durchfahrtshöhe unter der niedrigsten Brücke beträgt zurzeit 4,40 m.
Nach dem 2. Weltkrieg wurden im Zuge des Wiederaufbaus insbesondere von Hamburg erhebliche Gütermengen transportiert. In den 60er Jahren waren es etwa 2 Millionen Tonnen pro Jahr. Später nahmen die Gütermengen aufgrund der Randlage während der deutschen Teilung ab. Die Wiedervereinigung führte in den nachfolgenden Jahren wieder zu einer Belebung der Wasserstraße.

Einheben Brücke Dalldorf, Juni 2006 (A. Dohms)

Schrittweise Modernisierung des Kanals
Die Planer des ELK haben diesen großzügig und zukunftsorientiert bemessen. Insbesondere die Schleusenabmessungen und die gewählten Brückendurchfahrtshöhen erlaubten die Passage von für die damalige Zeit großen Binnenschiffen. Dies hatte zur Folge, dass im Laufe des 20. Jahrhunderts fast ausschließlich Erhaltungsmaßnahmen durchgeführt wurden, der Kanal aber keine Vergrößerung erfuhr. Erst in den 1990er Jahren wurde die Notwendigkeit der Anpassung des ELK an die heutige Binnenschifffahrt deutlich. Hierzu wurden bereits erste Maßnahmen durchgeführt. Die neue Schleuse Lauenburg ermöglicht nun die Passage von bis zu 110 m langen Fahrzeugen, die freilich im Moment nur bis zum nächsten Hafen in Lauenburg fahren können. Der Neubau der übrigen sechs Schleusen ist mittelfristig vorgesehen.
Sichtbarer Ausdruck der Modernisierung ist auch der Neubau von Brücken. Zum einen sind einige Brücken fast so alt wie der Kanal selbst und damit inzwischen baufällig. Ziel ist es außerdem, die Durchfahrtshöhe für die Schifffahrt unter den Brücken auf einheitlich 5,25 m zu erhöhen. Dieses Maß entspricht dem Normwert für Brücken über moderne Schifffahrtskanäle im Binnenland. In den letzten Jahren wurden die Brücken in Kronsforde (1998), Lankau (2005), Dalldorf (2007) und Krummesse (2008) neugebaut. Weitere Brückenneubauten, so in Lanze-Buchholz, Basedow und Büssau befinden sich in der Planung.

Krummesse im Februar 2008 (A. Dohms)
Schifffahrt auf dem Kanal
Die genannten Maßnahmen dienen neben dem Erhalt der Wasserstraße natürlich der Sicherung der Schifffahrt. Folgende Zahlen geben Kunde über das Verkehrsaufkommen:
Im Jahre 2007 wurden an der Schleuse Lauenburg eine Million Tonnen Ladung registriert, an der Schleuse Büssau waren es etwas über fünfhunderttausend Tonnen. Hauptgüterarten waren Baustoffe, landwirtschaftliche Produkte, Treibstoffe und Düngemittel. Etwas über 2300 Güterschiffe befuhren den Kanal. Das bedeutet, dass die durchschnittliche Lademenge eines beladenen Schiffes 962 to beträgt. Zum Vergleich: im Jahre 1965 wurden im Schnitt pro Schiff nur 293 to Ladung transportiert.
In den letzten Jahren hat der Verkehr von Sportbooten stark zugenommen. In 2007 passierten insgesamt über 6.000 Fahrzeuge den Kanal.
Der ELK ist in der Lage, mehr Schifffahrt aufzunehmen. Aufgrund der Prognosen über die Güterverkehrsentwicklung insgesamt sowie über die Entwicklung des Güterumschlags in den Seehäfen von Hamburg und Lübeck in den nächsten Jahren ist davon auszugehen, dass zukünftig mehr Güter auch auf dem Kanal transportiert werden.
Weitere Informationen über den ELK sowie über die anderen Wasserstraßen im Zuständigkeitsbereich des Wasser- und Schifffahrtsamtes Lauenburg und mehr Details über den Neubau der Schleuse Lauenburg können über die oben genannte Homepage eingesehen werden.

Dipl. Ing. Andreas Dohms

Wasser- und Schifffahrtsamt Lauenburg
a.dohms@wsa-lauenburg.wsv.de
www.wsa-lauenburg.wsv.de