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©arsten Lübbert
Schulgeld 1757

von
Harald Oelker



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Heiteres; Historisches; Besinnliches
Die Gemeinde Basedow am Elbe-Lübeck-Kanal ist mindestens 800 Jahre alt – eine lange Zeit für viele Ereignisse und Erlebnisse. Nicht nur die Dorfbewohner können darüber berichten, sondern auch längst vergessene und verstaubte alte Akten. Hier ein Beispiel.

1757 betrug das Schulgeld monatlich 1 Brot, natürlich nur während der Schulzeit vom 1. Oktober bis 1. Mai. Besuchten zwei Kinder die Schule, mussten für das zweite Kind monatlich 4 Schillinge gezahlt werden. „Solches können wir nicht aushalten“, beschwerten sich die Hufner Johann Joachim Basedau und Pagel Pehmöller im Namen der Dorfschaft beim Königlichen Consistorium. Schließlich wäre der Schulmeister sowieso „in guten Umständen“, denn er hätte ja „freyes Haus, frey Holtz und eine freye Kuh, dazu einen halben Sack Rocken für das Läuten der Bet-Glocken, und übe das Schneiderhandwerk aus“. Was die Basedower aber besonders ärgerte: der Schulmeister „sey des Schreibens unerfahren“; deshalb müssten sie ihre Kinder zum Küster in das Nachbardorf schicken und so doppelt Schulgeld zahlen.

Die Basedower hatten mit ihrer Eingabe keinen Erfolg, denn das Wort des Pastors – um eine Stellungnahme gebeten – war mächtiger: „…muss es hier wiederholen, daß er einer meiner besten Schulmeister sey…Einen Schreib-Meister könne er zwar nicht abgeben, aber das kann ein anderer Schulmeister auch nicht…“

Und dann werden die Basedauer in der Stellungnahme noch richtig abgekanzelt: „Es müssen die Basedauer entweder ein kurzes Gedächtnis haben, oder sie müssen es sich mit Fleiß nur nicht erinnern wollen, dass ihr Schulmeister ihnen so manche Ehestiftung geschrieben habe“. – Die soll er sich allerdings vom Schmied des Nachbardorfes schreiben lassen und als seine eigene ausgegeben haben!


Mehr erfahren Sie demnächst in der Dorfchronik, zu der alle Basedower beitragen werden. Schließlich sind wir inzwischen alle des Schreibens und des Lesens mächtig.

Harald Oelker