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©arsten Lübbert
Treideln

von
Carsten Lübbert



Kategorien
Heiteres; Historisches; Nautisches
Diese charmante Korrespondenz mit dem Wasser und Schifffahrtsamt stammt aus dem Jahr 1995.


Zunächst die Anfrage an das Wasser und Schifffahrtsamt:



Wasser und Schiffahrtsamt
Kanalverwaltung
Grünstr. 16
D – 21483 Lauenburg

Betr.: Treideln am Elbe-Lübeck-Kanal

Sehr geehrte Damen und Herren,
ich möchte mit meiner Segelyacht (8m Länge) und meinem Zugpferd eine Tour von Lübeck nach Lauenburg unternehmen. Dazu würde ich gerne die vorhandenen Wege am Ufer zum Treideln nutzen.
Ich bin mir darüber im klaren, dass der Bewuchs an der Kanalböschung eine durchgehende Nutzung verhindert, diese Strecken kann ich jedoch durch meine Schiffsmaschine überbrücken und das Pferd kann durch meine Frau am Ufer entlang geführt werden.
Betonen möchte ich bei dieser Nachfrage, dass ich keineswegs beabsichtige das Tier zu reiten, sondern es lediglich auf traditionelle Weise als Antriebsmittel für meine Yacht nutzen will.
Ich hoffe auf Ihr wohlwollendes Verständnis für meine Idee und würde mich über eine baldige Antwort sehr freuen.

Mit freundlichen Grüßen

...



Hier das Antwortschreiben:



Treideln am Elbe-Lübeck-Kanal

Ihre Anfrage vom 10.8.1995, Eingang hier am 17.8.1995

Sehr geehrter Herr ...

Ihr Vorhaben, den Elbe-Lübeck-Kanal bergwärts Richtung Lauenburg mit Ihrer Segelyacht zu bewältigen, unter teilweise Zuhilfenahme Ihrer Frau und einem Zugpferd als „Linienzieher“, erinnert mich an verschiedene Literaturaufzeichnungen vergangener Zeiten.
Einstens erging am 07.09.1343 ein Dekret des Herzogs Albert von Sachsen an den Schleusenmeister der Oberschleuse, diese lag an der Stecknitz zwischen Möllner See und Donnerschleuse, immer dann, wenn zwischen 24 und 30 Prähme mit Salz in Mölln beladen waren, auf Anforderung der Schiffahrt soviel Wasser abzulassen, dass diese sicher nach Lübeck gelangten. Gegen die so das Flussbett anfüllende Wasserwelle und unter Beachtung des auf dieser Welle reitenden Gegenverkehrs musste damals getreidelt werden.

Zum Glück für Sie und Ihre „Mitstreiter“ wäre das heute einfacher, wenn …

Wenn es da nicht die Betriebsanlagenverordnung – BAVO – seit Januar 1994 gäbe. Diese, von dem für Ihr Vorhaben hinderlichen Kanalbewuchs ganz abgesehen, lässt keinen Raum für Ihr geplantes Unternehmen. Nüchtern wurde dort in § 3 festgelegt, dass die Benutzung der Betriebswege, die eigentlich für die Allgemeinheit freigegeben sind, auf bestimmte Benutzungsarten beschränkt werden kann.
Dies mussten wir in bezug auf die Versicherungspflicht auf den Kanalseitendämmen veranlassen. Indem unsererseits Schilder aufgestellt wurden, die nur das „Betreten und Befahren für Fußgänger und Radfahrer“ gestatten.
Generell könnte ich Ihnen eine Ausnahmegenehmigung nach §4 der – BAVO – für Ihr Tun erteilen. Dem stünden aber die „reiterlosen Fuß-Tritte“ Ihres Zugpferdes entgegen, da diese den teils lose befestigten Betriebswegen nicht gut bekommen würden.
Eine baldige Antwort, wenn auch ablehnender Art, erhalten Sie hiermit. Auch wohlwollend, wahrscheinlich nicht in Ihrem Sinne – aber bestimmt zum Wohl Ihrer Frau, die somit nicht zur „Bomätscherin“ – früher Treidelmagd an der Elbe, obwohl es bestimmt nur „Bomätscher“, Treidelknechte, gab – werden muß.

Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag