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©arsten Lübbert
Hundesitten im Winter 1990

von
Elisabeth Dähn



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Alltägliches; Naturkundliches
Als Hundesitterin ging ich mit Bobby und Pauline im Winter 1990 am Kanal spazieren, weil Herrchen Jürgen Gutsche, Voßort 16, zur Arbeit war. Bobby ein weißer Mischling, lebhaft, schlank mit Jagdinstinkt, Pauline eine braune Michlingshündin mit gedrungenem Körper, ruhiger und behäbiger als Bobby. Bobby war nicht so gehorsam wie Pauline und büxte beim Spaziergang gern mal aus.

An der Brücke Basedow/Lanze unten am Kanal ließ ich, wie schon oft, die Hunde von der Leine. Der Kanal war zugefroren, und



plötzlich gab Bobby Gas und flitzte aufs Eis, weil dort Enten hockten. Er verschwand plötzlich in einem Eisloch, aber sein Kopf tauchte dann wieder auf. Er versuchte, sich am Eisrand festzuhalten, aber dies gelang ihm nicht, rutschte immer wieder ab. Ich fing an zu schreien, oben am Brückengeländer tauchten auch Leute auf, aber keiner kam, um zu helfen. Ich schaute mich nach einer Rettungsmöglichkeit um und entdeckte ca. in Haushöhe – Kanalstr. 7 – ein kleines Boot an der Uferböschung liegen.

Es war trotz Eis und Schnee zu schwer für mich, dieses Boot zum Ufer zu bekommen. Auf mein Schreien um Hilfe kam plötzlich

Frau Henn – Kanalstr. 5 – von ihrem Grundstück, und ohne zu zögern, half sie mir, das Boot auf die Eisfläche zu schieben.

Pauline, die Hündin, sah das Boot und ließ nicht locker, bis ich sie mit ins Boot nahm, um ihrem Kumpel beizustehen. Mit meinen Händen bugsierte ich das Boot auf dem Eis bis zum Eisloch, schob das Boot seitlich und konnte Bobby am Nacken fassen, und mit Bobby`s Hilfe, weil er sich dadurch mit einem Bein am Eisrand festhalten konnte, zog ich ihn ganz langsam wieder auf die Eisfläche.

Pauline jaulte vor Freude, und ich konnte Bobby dann ins kleine Boot hieven, und machte mich auf den Rückweg zum Ufer.

Hier stand Frau Henn mit 2 Wolldecken, und Bobby, ein zitterndes Bündel Tier, ließ sich abrubbeln. Ich brachte die Tiere zurück in Herrchens Haus, schrieb einen kurzen Bericht über den Vorfall, falls Bobby doch noch gesundheitliche Auswirkungen zeigte, und schlich überanstrengt nach Hause. Ich verabreichte mir selbst eine große Ruhepause um mich wieder zu erholen. Bobby kam seitdem immer an die Leine, wenn ich wieder mal sitten ging. Bobby hatte jedoch alles gut überstanden. Ich war froh. Herrchen bedankte sich bei Frau Henn mit einer großen Schachtel Pralinen.

Frau Henn sagte später, „ ich weiß doch, wie es ist, einen Hund zu verlieren“. Sie hatte kurz zuvor ihren Hund durch Krankheit verloren.

Später, als der Hund „Bonny“ im zugefrorenen Kanal einbrach und von der Feuerwehr gerettet werden konnte, kam meine Erinnerung an den Vorfall 1990 zurück. Nach wie vor habe ich nicht verstanden, daß wenigstens einer der oben am Geländer stehenden Zuschauer mir zur Hilfe kam, dies schockte mich am meisten.

Elisabeth Dähn