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©arsten Lübbert
Beim Haubentaucher gibt´s Aal satt

von
Georg Peinemann



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Naturkundliches
"Düker, Düker, die Welt jeht unter", riefen wir pommerschen Bengels, Arme Schwingend, um Haubentaucher auf dem See zum Abtauchen zu veranlasen. Spannende Augenblicke, wenn wir die Sekunden zählten, bis der geflügelte Taucher wieder an der Oberfläche erschien. Blitzte ein Fisch im Schnabel, vesuchten wir, Art und Größe der Beute zu erkennen.

Und heute? Die Welt hat sich zwar erheblich verändert, aber sie ist nicht "unterjejangen".Der etwa kiloschwere Wasservogel mit hübscher Sommerhaube und rotbraunem Backenbart reizt auch heute noch zum Beobachten - noch immer mit spielerischem Hintergrund.

Da fliegt ein Seeadler auf Nahrungssuche über eine Seenkette im Lauenburgischen, unmittelbar an der früheren Grenze zur DDR. Der Haubentaucher lässt sich nicht stören. Keine Spur von Aufregung, obgleich er die drohende Silhouette wahrgenommen hat. Stockenten flüchten flatternd in den Uferbewuchs. Als der Adler zum Tiefflug ansetzt, geht unser Haubentaucher auf Tauchstation. Er kommt nach 15 Sekunden (wir zählen noch immer wie früher in Pommern) wieder an die Oberfläche.

Wie wenig ihn der Seeadler beeindruckt hat, beweist die Tatsache, dass er seinen Flucht-Tauchgang auch noch für die Jagd ausnutzte. Ein fingerlanges Rotauge zappelt in seinem Schnabel.-

Während der Jungenaufzucht zwischen Mai und Juli zeigen sich die Haubentaucher als fürsorgliche Eltern. Beide brüten, beide füttern. Die Jungen sind Nestflüchter. Die paddeln sofort, sind aber erst nach 70 bis 80 Tagen flügge. Greifvogelgefahr von oben, und von unten sind Hechte in der Lage, die Küken in die Tiefe zu ziehen.

Bei Gefahr lassen die Eltern den Nachwuchs huckepack aufsitzen und nehmen Kurs auf den schützenden Schilfrand, wo auch die schwimmenden Nester auf dem Wasser liegen. Von einem bestimmten Zeitpunkt an wird die Fischübergabe stark eingeschränkt. Das heißt eindeutig: Nun fischt mal selber.

Ein Angler hat es sich am Elbe-Lübeck-Kanal bequem gemacht. Noch hat kein Aal den Köder angenommen. Wir haben auf dem See (mit Kanalverbindung) zwei Haubentaucher im Blick. Donnerwetter!

Jeder Tauchgang, etwa zehn Sekunden lang, ist von Erfolg gekrönt. Kleine Rotaugen als Beute? Von wegen! Nach jedem Auftauchen haben die geflügelten Fischer einen sechs bis acht Zentimeter langen Jungaal im Schnabel.

Im Allgemeinen ist nur jeder achte Tauchgang erfolgreich. Es müssen, in etwa vier Meter Wassertiefe, massenhaft Jungaale über dem Seegrund schwimmen. Ein Aalwunder? Nein, die Erklärung ist einfach. Über 100 000 in Aalfarmen aufgezogene Aale sind, wie berichtet, in die Elbe und Nebengewässer eingesetzt worden. Und davon holen sich Haubentaucher, Reiher und Raubfische wie Zander und Barsche ihren Anteil. Grund zur Besorgnis? Wenn die Hälfte der eingesetzten Jungaale die Chance hat, in heimischen Gewässern gut abzuwachsen, wird das von Fachleuten durchaus als Erfolg gewertet.

Angler und Fischer müssen sich mit dem Fang des "Sonderbesatzes" ohnehin noch gut fünf Jahre gedulden - erst dann sind die Aale "fangreif für den Räucherofen".

Dem geduldigen Angler am Kanal sagen wir nicht, dass knapp hundert Meter weiter zwei erfolgreiche "Fischer" in einer Stunde über 20 Aale erbeutet haben. Der Petrijünger würde sich an die Stirn tippen und unsere Fangmeldung kopfschüttelnd als pures Angler-Latein abtun.

 

Georg Peinemann
(mit Genehmigung des Autors aus dem "Hamburger Abendblatt" vom 08.07.2008).