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©arsten Lübbert
Der Kanal, das Laufen und ich

von
Karl-Heinz Seifert



Kategorien
Alltägliches; Naturkundliches
Wer mich fragt, woher ich komme, antworte ich immer Lauenburg. Lauenburger aus Überzeugung. Aber im Grunde meines Herzens bin ich Buchhorster. Im Lauenburger
Krankenhaus geboren, verbrachte ich die ersten vier Lebensjahre in Buchhorst. Als ich vor 12 Jahren, im gesegnetem Alter von 47, meine Karriere als Langläufer bzw.
Marathoni begann, stellte sich die Frage nach einer geeigneten Trainingsstrecke.
Verschiedene Strecken wurden getestet und einige wurden ins Trainingsprogramm aufgenommen, zum Beispiel der Glüsing, der Weg vom Sandkrug nach Tesperhude, die Elbe entlang zu Ertheneburg. Aber zum absoluten Favoriten entwickelte sich die Strecke rund Buchhorst. Start ist immer die Feuerwehr in Buchhorst, der erste Fixpunkt ist dann immer der Weg entlang des Langen Berges bis zum Kanal an der Verladestelle der Kieskähne. Von da an entscheidet der Trainingsplan oder die Lust
wie es weitergeht. Am Kanal entlang zur Lanzer Brücke und durchs Dorf zurück ( 7 km),
zur Basedower Brücke nach Lanze und wieder durch Buchhorst ( 14 Km), durch die Kiesteiche zurück zum Langen Berg bis zu Basedower Brücke und dann am Kanal zurück nach Buchhorst ( 10 km. Darüber hinaus kann ich je nach Laune und Form die Strecken kombinieren. Den Kanal weiter nach Dalldorf und dort über die Brücke über Lanze entspricht einem Halbmarathon ( 21,1 km ) und ist meistens der Marathonvorbereitung
vorbehalten, wenn nicht gerade Guna wieder einmal einen Longjogg ( langen Lauf ) braucht, aber das ist die nächste Geschichte.

Was ist denn nun so schön an dieser Laufstrecke? Es ist einfach der Mix. Erst ein bisschen Asphalt bis zum Kanal, damit die Knochen sich auf ebenem Geläuf einlaufen können. Links der Wald, rechts die Felder, dahinter der Blick auf den Kanal und sofort
frische Luft, wenn nicht gerade ein Hundebesitzer mit seinem besten Freund auf dem Weg zu den Teichen die Luft mit seinem Auto verpestet. Ganz pervers sind die Gesundheitsfanatiker, die im Auto sitzend, Ihren Hund neben dem Auto laufen lassen.
Auf dem Kanal dann der unbefestigte Weg, der gut für die Koordination der Füße ist und gleichzeitig helfen die Kanal- Km die Laufgeschwindigkeit zu kontrollieren. Der Blick auf das Wasser erfrischt mental, ein virtuelles Bad. Der Blick von der Kanalkrone
über die Wiesen lenkt von eventuellen Konditionsproblemen ab. Seit Jahren plane ich
auf dem Kanal ein Intervall-Training, 500 m schnell, 200 m traben usw., aber irgendeinmal
finde ich immer eine Ausrede mich nicht wirklich quälen zu müssen.

Mit Blick auf die Buchhorster Kanalbrücke geht’s dann weiter. Als erstes die bange Frage wie viel Hunde kommen mir / uns entgegen? Friedlich, neugierig oder will er nur spielen. Egal freundlich grüßen, Hand nach unten zum Schnüffeln halten und durch.
Zum Glück kennt man mit den Jahren die meisten Halter und Ihre „ Lieblinge „. Bis zur
Brücke den herrlichen Blick auf den Geesthang mit Buchhorst davor. Mal im strahlenden
Sonnenschein, dann wieder im Morgendunst oder, wenn der liebe Gott nicht gut drauf ist, im Regen. Vor der Brücke dann rechts zurück nach Buchhorst. Im Dorf dann ein wunderbarer Blick über die Wiesen auf den Kanal. Bei nördlichen Winden wird das Idyll
leider durch den „Duft“ der Schweinemast getrübt. Aber wer Schnitzel essen will, muss damit leben. Eine kurze Steigung und schon kommt das Haus vom Bürgermeister in Sicht und eine angenehmen nicht zu anstrengen Laufeinheit geht zu Ende.

Karl-Heinz Seifert